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Der Musikalische Stil Dietrich Erdmann's

Ursprünglich beeinflußt von Neuer Sachlichkeit, von Neobarock und Neoklassik, entwickelte Dietrich Erdmann einen eigengeprägten Stil abseits von zeitbedingten Moden oder Kompositionssystemen. Seine Musik ist gekennzeichnet durch gute Hörbarkeit, rhythmische Lebendigkeit, aparte Klangfarben und differenzierte Instrumentierungen sowie formale Klarheit.

Schon frühe Werke, wie etwa die Sechs kleinen Klavierstücke aus dem Jahre 1933, wiesen eine erstaunliche Stilsicherheit mit individuellen Lösungen auf. In späteren Jahren setzte sich die prosahafte musikalische Syntax und Emanzipation der Dissonanz durch: Sonate für Oboe und Klavier (1965), Dialoghi für Violoncello und Klavier (1971) u.a.

Bis Ende der 40er-Jahre dominierte instrumentale Kammermusik, jedoch kündete schon die Kantate Der Maien für Sopran, Chor, Flöte und Streichquintett (nach einem Volkslied, 1946) von dem späteren umfangreichen Vokalschaffen, etwa der Hymne an die Sonne für Sopran, Bariton, Chor und Orchester (Walt Whitman, 1949) oder Berauschet Euch für Sopran, Bariton, Chor und Orchester (Charles Baudelaire, 1953). Lyrische Melodiebildung übertrug sich auch auf seine Instrumentalmusik, insbesondere auf das Konzertschaffen, das mit dem Klavierkonzert (1950/1976) und dem Concertino für Klavier und kleines Orchester (1956) nicht nur seinen Anfang, sondern auch gleich den ersten Höhepunkt seines Schaffens erlebte.

Während in Erdmanns Werken der 50er und 60er Jahre öfter kirchentonartliche Zentrenbildungen zu finden sind und barocke bzw. klassische Formen verwendet wurden, ist ab den 70er Jahren eine stärkere Chromatisierung und Variierung, unkonventionelle Formenbildung, eine deutliche Betonung des Rhythmischen und eine nuancierte Instrumentation zu verzeichnen: etwa in Spektrum für kleines Orchester (1975), Nuancen für Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Violoncello, Kontrabaß und Schlagzeug (1978), Musica Multicolore für Oboe, Klarinette, Fagott, Horn, Schlagzeug, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabaß (1981/82) oder Réminiscences für Orchester (1992/1996).

Eine wichtige Bedeutung in Erdmanns Schaffen hat die Musik für Laienensembles, insbesondere die Zupfmusik. - Im Falle des Mandolinenkonzerts (1979) mündete sowohl Erdmanns Interesse an Zupfinstrumenten als auch am Einsatz ungewönlicher Solo-Instrumente in ein überaus anspruchsvolles und virtuoses Werk, das Aufsehen erregte, ähnlich wie zahlreiche Werke für Saxophon (u.a. Resonanzen für Saxophonquartett, 1984; Konzertstück für Altsaxophon, Streichorchester, zwei Hörner und Schlagzeug, 1988; Konzert für Saxophon und Orchester, 1989; Persiflagen für Saxophonquartett, 1993; Dialog für Alt- und Tenorsaxophon, 1997) sowie das Konzert für Klarinette und Orchester (1990) oder das Doppelkonzert für Fagott, Kontrafagott und Orchester (1996).

Dietrich Erdmanns Gesamtwerk umfaßt - mit Ausnahme von Oper und Ballett - alle Genre und Besetzungen: 16 Solo-Konzerte, 12 Orchesterwerke, Klaviermusik, Solo- und Kammermusik für Streicher und Bläser sowie Lieder, Kantaten und Chormusik.